Es ist ein Drama. Die Telekom rafft es nicht, der Internetanbieter schafft es nicht. Seit geschlagenen fünf Wochen muss ich an allen Fronten kämpfen, um endlich wieder online zu sein. Ich kann es nicht fassen, erst kündigt mir die Telekom den falschen Telefonanschluss, nicht etwa weil ich nicht gezahlt hätte, sondern weil die Hotline-Typen ihr Hirn völlig ausgeschaltet haben.
Nach meinem Umzug haben mir die Freaks auf meinen Rechnungen immer noch den alten Anschluss berechnet, dagegen habe ich mich natürlich verwehrt, trotzdem buchten sie munter weiter den Betrag ab. Klasse! Meine Beschwerde war dann so erfolgreich, dass sie den alten Anschluss weiterlaufen ließen und den neuen kappten, wunderbar!
Folglicherweise hat mich mein Internetanbieter 1 und 1 aus dem digitalen Nirvana gekickt. Auch die Mitarbeiter sind anscheindend alles Schlafmützen. Telefonate, leere Versprechungen, neue Anschlussgebühren und, und, und... Meine Nerven liegen blank, alles Irre!!!!!!!!!!!!!!!
Die Pulle Jim Bean steht auf dem Tisch. Er brütet gedankenversunken vor sich hin, nimmt noch einen Hieb aus seinem Becher und dann ergreift er plötzlich das Wort. "Ich kenne Leute, die müssen sich eigentlich das Zeug direkt in die Pulsader spritzen, damit es ordentlich scheppert", sagt der junge Mann, der ab dem 15. November seinen ersten Auslandseinsatz in Afghanistan haben wird.
Er, Halbtürke, 24 Jahre alt, Zeitsoldat und Bundeswehrausbilder für Rekruten spricht von Whiskey, denkt dabei aber wohl eher an Opium fürs Volk. Direkt neben ihm sitzt eine, sagen wir, Intellektuelle. Die aus Oldenburg stammende Frau löchert ihn mit Fragen, während er seine Promille-Zahl deutlich hochschraubt - wobei er offen und ehrlich, für Jedermann hörbar, einiges preis gibt. Er erzählt über Erfahrungen anderer Soldaten in Afghanistan: "Die Olle hat ihm den Kiefer gebrochen, kannste du dir das vorstellen?" Sätze wie "Die Würde des Menschen ist unantastbar" oder "Ich weiß nicht, ob ich lebend da 'raus komme", sprudeln lallend aus ihm heraus. Sie setzt ihren verständnisvollen Blick auf und erinnert mich dabei irgendwie an Bärbel Höhn. Sprachlosigkeit.
Dann begleitet ihn ein Anflug von Selbsterkenntnis. "Jeder Junge der zur Bundeswehr geht, hat einen Dachschaden", sagt er, um wenig später die Begründnung für die von seiner Frau forcierten Trennung zu liefern. Die Intellektuelle bleibt weiter cool. Kurz bevor sie aussteigt, verrät er ihr dramatsich, warum er zur Bundeswehr gegangen ist. "Ich hab' s meinem Onkel auf dem Sterbebett versprochen." Wow, denke ich: Ein Mann, ein Wort. Jetzt brauch auch ich einen Drink.
Wenig später stoßen ein paar junge Hühner - vermutlich 18 bis 20 Jahre alt -, die gerade ein paar suffig-tolle Tage in Hamburg auf der Reeperbahn verbracht hatten, zu ihm. Der Hahn im Korb dreht völlig auf. Zumal er erfährt, dass zwei von ihnen auch aus Recklinghausen stammen. Es brächen alle Dämme. Die Whiskey-Pulle ist fast leer, er kramt noch schnell in seiner Tasche und siehe da: Es geht noch was! Die nächste, bitteschön. Die Girls sagen, nein Danke: Das Hamburger Trainingslager hatte ihnen wohl den Appetit auf das gnadenlose Zechen bis zum Zapfenstreich verdorben. Zunächst geht die ganze Leier wieder von vorne los. Er erzählt, bloß diesmal ist das Interesse relativ mau. Doch um mich herum sehe ich nur schmunzelnde Leute, die förmlich danach lechzen, dass er noch einen 'raushaut. Sie sollten recht behalten. Als er neuerliche Fakten aus dem Soldatenleben auf den Tisch legt, steigt die Aufmerksamkeit. "Ich kriege 12.000 Euro Cash für den Einsatz. Cash. 12.000 Euro Cash. Plus 3.000 Euro im Monat, Cash. Von der Kohle will ich eine Disko eröffnen." Okay, denke ich: Recklinghausen? Disco? Wenn er meint.
Die Geschichte mit seiner Exfrau, die ihn und ihr gemeinsames Kind verlassen hat, nagt dennoch an ihm. Er fragt die Mädels: Wenn ihr 24.000 Euro Cash kriegen würdet, ich sage Cash, würdet ihr doch einen Mann nicht verlassen. Außerdem zahlt die Bundeswehr doch eh alles. Miete, fürs Kind (...). Ich weiß nicht, aber ihr Frauen tickt irgendwie nicht richtig. Wenn man steuerfrei lebt, verlässt man doch den Mann nicht. Ich habe 1.800 Euro zum Ausgeben, Cash", prasselt es unverholen aus ihm 'raus. Die Girls sind sprachlos und versuchen ihm hinter die Blume gesprochen, klar zu machen, dass es vielleicht grundsätzlich an ihm selbst liege.
Dann das Finale. Nachdem er den 30 Kilometer-Lauf, bei dem zwei seiner Rekruten einen Kreislaufkollaps erlitten hatten, noch einmal Revue passieren ließ, drehte er nochmals verbal kräftig auf. "Hey, wenn mein Vater stirbt bin ich froh. Dann erbe ich nämlich zwei Häuser und zwar in Istanbul und Antalya am Strand. Der Vogel hat nichts drauf, der überweist mir jetzt schon 500 Euro monatlich, da habe ich zu ihm gesagt, bist Du krank, oder was? Ich hab' Krebs, hat er gesagt." Stille.
Heute: Kraftwerk - Die Pioniere elektronischer Musik
Sie sind die Vorreiter einer Generation, die vermehrt in ein weitgehend unbekanntes aber doch ausuferndes technisiertes Zukunftsszenario schlittert. Die Düsseldorfer Band Kraftwerk hat zu Zeiten von Jimi Hendrix, The Doors & Co. ein für die damalige Ära unglaubliches Kontrastprogramm geliefert. Langhaarige waren verstört, Funky-People verwirrt und Schlager-Fuzzis wähnten sich bereits damals in der Endzeit. Das war 1970 als Ralf Hütter und Florian Schneider-Esleben die Band gründeten.
Mit ihrem Sprechgesang setzten Kraftwerk neue Trends. Auch die künstlich erzeugten Klänge mit minimalistischen Texten unterlegt, die im Ausdruck Kälte und düstere Szenarien in den jeweiligen Hirnen immer noch auslösen, sorgten für Irritationen - erfolgreiche Irritationen. Denn der Song "Radioaktivität" belegte schließlich 1975 wochenlang die Nummer eins der französischen Charts.
Es folgten wegweisende Alben, wie zum Beispiel das Sechste "Trans Europa Express". Schon kurz nach der Veröffentlichung wurde der gleichnamige Titelsong in den Ghettos von New York populär und zur Blaupause für den Grundrhythmus der neuen Musikrichtung. Bei Grandmastar Flash, ein bekennender Kraftwerk-Fan, ist das faktisch nicht zu überhören.
Mit dem Song "Die Roboter" hat die Band dem Techno dann endgültig den Weg geebnet. Als lebende Roboter (mit grauen Hosen, roten Hemden, schwarzen Krawatten mit sequenzierenden roten LEDs) treten sie 1978 im TV auf. Legendäre Enszeitsstimmung.
Mit dem Klassiker "Das Modell" stürmen Kraftwerk die Spitze der englischen Charts. Rammstein covern den Song im Industrial-Style Jahre später.
Ihre rar gesäten Live-Konzerte finden weltweit großen Anklang, vor allem in Italien, Frankreich, Schweden und Japan.
Das 1986er Album "Electric Café" ist an Minimalismus in Sachen Gesang und Emotionslosigkeit kaum zu überbieten. Dennoch eroberte der ausgekoppelte Titel "Musique Non Stop" die Charts.
Fett hingegen bleibt die "Tour de France"-Version aus dem Jahr 2003. Mit dem Stück haben Kraftwerk ihren Stil angepasst und die wie immer die Zeichen der Zeit erkannt.
Fazit: Kraftwerk bleibt eine zeitlose Band. Sie wird in den hiesigen Sphären und darüber hinaus ihren Platz in der Musik-Geschichte behalten. Eines steht aber ohnehin fest: Neben zahlreichen Techno-Freaks haben sie unzählige Bands und Interpreten beeinflusst, darunter Depeche Mode, Front 242, Human League, Afrika Bambaataa, David Bowie und Gary Numan.
Mmmh, lecker Schoki! Das lange Hasen-Wochenende steht wieder vor der Tür und es wird wieder mal amtlich abgefuttert. Wie Ihr seht, hat jetzt schon die kleine, niedliche Ratte ganz schönen Kohldampf geschoben. Da fallen einem ja die Zähne aus dem Halse. Löchrige Ostern!
Meine Augen waren weit aufgerissen, voller Ehrfurcht erstarrten sie beinahe und registrierten jede noch so kleine Bewegung. Dieses possierliche Tierchen hatte es mir angetan, gerade mir, der sonst bei jeder nur kurz zu sehenden Maus sofort auf den Tisch springt. Ein Minute und dreißig Sekunden habe ich es schließlich ausgehalten, die Königsnatter durch meine Hände gleiten zu lassen.
Paranoia. Schweißgebadet wache ich nun des Nächtens auf. Kein Wunder, denn das Vieh hat mich im Traum zum wiederhloten Mal gewürgt. Mein Mund öffnet sich und krächzende Geräusche sprudeln aus mir heraus. Atemnot. Das Leben ist kein Ponyhof.
Er steht auf, eiert ins Bad, blickt in den Spiegel und stellt fest: "Oh, my god: Die Augen sind ja puterrot." Was ist los? Nichts. Wenig Schlaf. Amtliches abgähnen ist angesagt, nicht mehr und nicht weniger. Duschen? "Och, nee! Keinen Bock." Es ist Sonntag. Ein klassischer Fall von Langeweile.
Ab in die Küche, Zeitung lesen, Kaffee trinken, schnell noch irgendetwas futtern - schmeckt zwar nicht, muss aber irgendwie sein. Wein geht nicht, ist noch zu früh. Dann eben gammeln und Zigaretten rauchen, nebenbei Musik hören. Och, da stellt er fest, dass er schon wieder müde wird. 11.13 Uhr. Gähn! Gedanklich spielt er den möglichen Mittagsschlaf durch: Also zehn Minuten Augenpflege, das Hirn lässt nicht mehr zu. Boah, und was jetzt? Aufspülen. Das triefende Fett ist hartnäckig. Die Teller stapeln sich. Rums! Resümee: Ein Teller, ein Weinglas bruch und klotten. Hätte er doch bloß die Finger davon gelassen, zumal er doch eine Spülmaschine hat. Dann lässt er arbeiten. Die Maschine wird angestellt: Wäsche waschen. An das Aufhängen der Klamotten denkt er besser noch nicht. Es ist wie sovieles an diesem Tag: Anti. Komplett Anti.
Ach, was könnte er jetzt tun? Keine Ahnung, vielleicht im Internet surfen? "Ist ja immer eine Option." 30 Minuten, dann reicht's. Ihm fällt ein, dass er ja den DJ machen soll. 40. Geburtstag in Köln steht in 14 Tagen an. Gut, denkt er. "Kannst' ja schon Mal, ein paar CDs zusammestellen." Zum ersten Mal versprüht er an diesem Tag Elan. Doch der Schein trügt. Nach der zweiten CD, hat er den aussichtslosen Kampf gegen den Sonntag verloren. Okay, seine letzte Chance naht: Ab nach draußen: Fieses Wetter - kalter Wind. Wo fährt er also hin? Zur Tanke. Er steigt ins Auto und denkt: "Och, das passt ja, der Tank ist leer. Dann hat die Fahrt wenigstens noch einen Sinn." Dann das Schlüsselserlebnis: Deckel auf, Rüssel rein. Deckel zu, Schlüssel rein, halbe Drehung und abgebrochen. Yeah. Sonntag. Das bittere Ende.
Sie ist blond, trägt schulterlanges Haar, ist geschätzte 33 Jahre alt und spricht mit russischem Akzent. Er: Volltrunken und 57.
Freitag-Abend, 19.54 Uhr, irgendwo zwischen den Metropolen Stendal und Wolfsburg. Ich warte im Bahn-Bistro auf meine Boulette und das Pils. Neben mir steht er. Sein linker Arm lehnt lässig am Tresen. Zwischendurch blättert er nervös in seiner Zeitung, allerdings nicht ohne frech fordernd, aber triefend sabbernd der mir völlig unbekannten Schönheit nachzuschmachten. Ihm entgeht nichts.Er bestellt schnell das zweite Bier. Schluck, schluck.
Während ich mir meine krasse Boulette reinziehe - der Hunger treibt's rein - tippelt er auf und ab, reißt die Augen weit auf und spitzt seinen Mund als würde er jeden Augenblick loslegen wollen. Da kommt sie. Mit dem dritten frisch gezapften Bier in der Hand, plustert sie sich auf. Er, der Gockel, holt seinen Kamm raus. Die Pomade in seinem Haar muss schließlich gepflegt werden. Schauspiel hin oder her, ich mache zunächst den Abgang.
Eine Stunde später. Kaum zu glauben, aber wahr: Er steht immer noch im Bistro und pfeift sich ein Helles nach dem anderen rein. Er nästelt an seiner Brille und klimpert mit dem Kleingeld, das in seiner Hosentasche fluffig sitzt. Sie guckt, er guckt. Seine Phantasien haben ihn absolut im Griff. Ein offener Schlagabtausch, wobei sie mittlerweile total angenervt ist.
Dann reicht es ihm. Er greift in die Innentasche seiner Jacke und holt sie raus: Ein Päckchen rote Gauloises. Ruckzuck und schon hat er das Folienpapier aufgerissen und steckt sich die Kippe in den Mund. Er zischt ab, drei Minuten später ist der stolze Hahn wieder da. Er hat es geschafft. Der Rauch sitzt in seinen Klamotten, das Nikotin ist sein Parfüm . Mit stolzgeschwellter Brust torkelt er zum Tresen. Er ist gut drauf und geht aufs Ganze: "Kannste mir mal 'nen Jägermeister bringen?" Ich steige aus.
Feierabend. Ab ins Auto und zur Tanke. Der Sprit ist verhältnismäßig günstig. Super 1,14 Euro. Volltanken. Die A 10 und A 2 sind mein qualvolles Zuhause. Monotonie.
Meine Füße werden schwer wie Blei. Das Gaspedal kennt das Spielchen. Auf der Bahn geht's rund - prasselnden Dauerregen gibt es gratis obendrauf. Die Wischer malochen - hin und her. Das Dauerpendeln macht mich wahnsinnig. Meine Augen bewegen sich im Takt. Die Müdigkeit schlägt zu. Doch waghalsige Überholmannöver der Lkw und das dadurch ausströmende Adrenalin halten mich in der Spur. Es wird dunkel. Die grellen Scheinwerferlichter, die im Rückspiegel erbarmungslos auftauchen, verblenden die Sicht. Agonie.
Rückweg. 7 Uhr morgens. Die Nacht war kurz, meine Klüsen sind zugeschwollen. Die Sonne blendet ohne Ende. Das Augenmassaker geht weiter. Die heruntergelassenen Blenden helfen nicht und die Sonnebrille liegt natürlich auf dem Schreibtisch. Die Scheiben sind verschmiert, durch die Wischanlage strömt kein Tropfen Wasser. Leere.