Donnerstag, 15. Oktober 2009

En la cancha del mundo

Arabisch, Englisch, Spanisch - manisch sind sie alle. Die Reporter legen los wie die Irren. Ich selbst lasse mich anstecken, gebe mich selbstlos hin und laufe wie im Wahn in der Bude auf und ab. Meine Argentinos machen mich fertig. Das WM-Qualifikationsspiel in Uruguay ist nichts für schwache Nerven, schon gar nicht wenn so viel auf dem Spiel steht. Dasselbige ist im Netz on air. Groundhopping ist angesagt. Die Bildqualität ist mal Weltklasse dann wieder Kreisklasse. Mittlerweile dreht der italienische Reporter richtig durch, doch nach ein paar Minütchen sehe ich das Spiel wieder mit arabischen Kommentar, flugs darauf geben die Bolivianer auf Spansich wieder alles. Ich schwitze. 0:55 Uhr Puh, Halbzeit 0:0.



Jetzt ist Portugiesisch angesagt. In Montevideo drehen die Zuschauer durch, ich gleich mit. 1:21 Uhr. Die Stimmung steigt, die Chilenen haben das 1:0 gegen Ecuador geschossen. Damit haben die Argentinier zumindest bei diesem Spielstand den Relegationsplatz sicher. Aber die Argentinier sind nicht zwingend genug, die Abwehr steht, aber nach vorne geht nicht viel. Echte Torchancen sind Mangelware. Que pasa? Nada! Mist und wieder gibt es einen eklatanten Bildausfall. Schnell auf kicker-online, parallel geht die Suche nach einem Internet-Sender weiter. Die letzten sieben Minuten laufen. Veron, Veron, Veron...insgesamt fünf Mal am Stück schreit jetzt der argentinische Reporter ins Mikro. Ich glaub es nicht. Goooooooool! Gooooooooool! Goooooool! Mario Ariel Bolatti schießt die Albiceleste nach Südafrika. 1:54 Uhr. Wahnsinn. Ich dreh durch! Nacht - Diego hat wohl seinen Kopf gerettet. Ciao.


Freitag, 9. Oktober 2009

Scharf wie Chili

Völlig platt und ausgelaugt, dafür aber mit einem breiten Grinsen im Gesicht verlassen die Shantel-Jünger den Admiralspalast in Berlin. Das, was sie am Dienstagabend erleben sollten, war ein schweißtreibendes Konzert der Extraklasse. Party pur.

21.55 Uhr. Shantel und das Bucovina Club Orkestar stürmen unter tosendem Applaus die Bühne. Die ersten Beats dröhnen aus den Lautsprechern und das Publikum legt sich sofort erbarmungslos ins Zeug. Die Chemie stimmt, die Songs animieren zum gnadenlosen Abfeiern.
Die Meute tobt spätestens als der Song „Disko Boy“ durch den Admiralspalast geschmettert wird.



Es wird gewippt, die Arme schnellen in die Höhe und der Mob feiert Shantel und sich selbst. Grenzenlose Ausgelassenheit. Es ist 22.27 Uhr. Bei „Usti, Usti Baba“, einem typischen Balkan-Stück (vom Album „Planet Paprika“) mit orientalischen Klängen gewürzt, brechen erneut alle Dämme. Der Trompetensound, das Akkordeon und auch die Performance der Sängerinnen des Bucovina Club Orkestars bringen das Publikum in Wallung. Textsicher ist die Masse, außer bei den in Englisch gesungenen Songs, ansonsten kaum. Aber das ist völlig egal, es wird einfach nur abgetanzt. Der Boden bebt.

22.53 Uhr. Shantel springt von der Bühne - ohnehin bezieht er stets die Feiernden mit ein - und bahnt sich seinen Weg bis zur Mitte des Admiralspalastes und zelebriert den Song „Bella Ciao“, im Gegensatz zur zuvor gespielten Seichtversion von „Disko Partizani“ mehr als inbrünstig. Die Masse tobt erneut und feiert abgöttisch ihren Helden des Abends.

Bei „Ciganka“, eine Zigeuner-Hymne, rasten die Leute förmlich aus. Der Schweiß dringt triefend in ihre Klamotten ein. Kein Wunder, denn das Dauertanzen verlangt von so manchem einiges ab. Um 23.10 Uhr ist der Spaß vorbei. Denkste, denn das Finale furioso folgt. Zugaben.
Shantel und Band wissen, wie sie die Masse erneut zum Kochen bringen. Mit der Powerversion von „Disko Partizani“ ist der Zenit erreicht. Frenetisch, fast manisch, ist das Publikum der Band beinahe hörig ausgeliefert. Ein orgiastischer Genuss. 23.40 Uhr. Die Party ist vorbei. Glücksgefühle.

Montag, 5. Oktober 2009

Mann-O-Mann

Die Sonne knallt. Die Euphorie ist riesig. Doch am Ende ist die Erschütterung groß, denn die Zeche zahlt das Hirn. Wenn drei Freaks von der Kette gelassen werden, kann das nur in einem umnebelten Desaster enden.

Berlin. 13 Uhr. Der Kopf ist schwer, doch die Stimmung steigt: Das polnische Nationalgetränk in der braunen Variante ist nach dem Vorabend verdaut. Rauf aufs Rad, Sightseeing ist angesagt. Wow, das Wetter verspricht einiges. Kein Wunder, dass die Kehle austrocknet. Die Lüstlinge brauchen eine Pause. Klar, der Lustgarten frohlockt mit all den sich absolut frei fühlenden Liebenden der Welt. Die freie Welt ist es auch, welche das Lechzen nach unermesslicher
Ist-Mir-Doch-Egal-Stimmung geradezu erneut heraufbeschwört. 15.30 Uhr. Hier und da ein Foto-Motiv und hüben wie drüben ein frisch-perlendes Helles. Auf der Wiese lungern sie herum, quatschen, hauen sich noch eine richtig miese Curry rein und bleiben dennoch extrem gut drauf.



Die Steherqualitäten sind wieder aktiviert, die Synapsen aber noch nicht vollends ausgeschaltet. Jetzt heißt es, das Gut-Drauf-Sein in die richtigen Bahnen zu lenken. Kein Problem, Kumpel besuchen, beim Gartenfest ein wenig Small-Talk halten und den Schluckapparat ordentlich tunen.Und siehe da, die Brüder laufen wieder auf Hochtouren und sind völlig angefixt. 19.45 Uhr. Der stotternde Leber-Motor nimmt Fahrt auf. Schnell noch 'ne Pizza im Lokal und schon sind alle eingenordet - wären da nicht ein bayerischer Berliner und ein waschechter Österreicher am Start gewesen. Die Hirnakrobaten hatten es extrem drauf. Die Palette der Gesprächsthemen hätte im Normalfall niemals innerhalb von 30 Minuten abgehandelt werden können. Gut, die Brüder Widerwillen setzten das Attribut Don Promillos konsquent um. Das Logbuch im Hirn war reingewaschen, die Festplatte implodiert. Auf Wiedersehn.




Allem Bla-Bla zum Trotz, weiter auf die Piste. Schnell noch Madame eingepackt und ab in die Kneipe. 21.30 Uhr. Der Hahn läuft. Chin Chin hier - salud dort. Das Grinsen lässt sich nicht wegleugnen. Ein paar Beschleuniger und schon geht es nach einer kurzen Würg-Einlage unserer Kollegin weiter zu den Basken - irgendwelche Antifa-Freaks, dem der Klassenkampf a la Eta ins Gesicht geschrieben steht. Puh, waren die drauf. Der Fotoapparat wäre beinahe konfisziert worden - und das obwohl keiner von uns einen Porno-Balken trägt. Uns reicht's. Schnell noch ein zweistündiges gratis Bahn-Abenteuer bis Ruhleben, ins Taxi und Licht aus. 5.15 Uhr. Die Zeche zahlt das Hirn. Massaker.

Mittwoch, 23. September 2009

Wahlkrampf

Schlapp, emotionslos und ganz schön gähnverdächtig. Der Wahlkrampf ist bald vorbei. Zur Einstimmung für den Sonntag gibt's noch ein paar Klassiker - sowie ein New-Entry. Viel Spaß!


Die Friseurmeisterin



Der Geliebte



Der Vollstramme




Der Brite




Der Stammel-Fritze




Das Urvieh

Freitag, 4. September 2009

Ein wahnsinniger Irrer?

Intelligent? Oder doch eher gößenwahnsinnig, egozentrisch, manisch, krank oder schlicht und einfach irre? Wer weiß es schon? Aber eine Persönlichkeit war Klaus Kinski wohl dennoch.

Wutausbruch beim Filmdreh zu "Fitzcarraldo" (1981)




"Schlechtes Benehmen halten die Leute doch nur deswegen für eine Art Vorrecht, weil keiner ihnen aufs Maul haut." - Interview im Stern Nr. 12 (1979)

Weiß er, wovon er redet?



"Wer mich beleidigt, entscheide ich."

In Hochform mit einer Portion Witz - oder sind es doch die Drogen?



"Die deutsche Sprache ist eine der schönsten und ausdrucksvollsten aller Sprachen - wenn man sich ihrer Kraft bedient! Ich verlange die Freiheit, die ein Schriftsteller, ja ein Dichter für sich in Anspruch nimmt." (Autobiographie "Ich brauche Liebe")

Dienstag, 25. August 2009

Der Taschenträger

Mühsam schleppt er sich die Treppen zum Bahnsteig hoch. Völlig desillusioniert trottet er hinter seiner Angebeteten her. Der Mann weiß, was sich gehört. Denn er ist der Taschenträger - und schon jetzt mehr als urlaubsreif.


Sie ist etwa 35 Jahre alt, ganz in schwarz gekleidet, kettenbehangen und geschminkt bis zum Geht-nicht-mehr. Er etwa gleichaltrig macht mit seiner schlampigen Jeans und seinem mausgrauem Shirt einen armseligen Eindruck. Aber: Er ist kein Jammerlappen, er ist ihr hörig - und das ist es, was sie in vollen Zügen rauchenderweise genießt.


Wie eine stolze Glucke trägt sie ihr kleines, feines Handtäschchen zur Schau, blickt umher und präsentiert ihren gewaltigen Ausschnitt für jedermann. Fünf Meter dahinter zeigt der wahre Champ der Girls, was in ihm steckt. Völlig entnervt von den Blicken aller Bahnreisenden wirkt er wie ein Häufchen Elend. Sein Gang wirkt gebeugt und zwar nicht nur wegen der schweren Taschen, die um seinen Körper hängen wie geißelnde Fesseln.


Als der Zug kommt, weist sie ihn ein. Schließlich muss er ja wissen, wie und wo er einzusteigen hat. Dann zeigt sie ihm mit einer abfälligen Handbewegung, wo er das Taschensammelsurium ablegen kann. Völlig geplättet setzt er sich hin und schnauft tief durch. Doch das Martyrium endet für ihn noch lange nicht. Denn die Reise nach Malle ist noch lang. Kurz vor Hannover blickt sie ihren Allerliebsten wieder an und er weiß, was zu tun ist: Taschenhecheln.

Montag, 3. August 2009

Fleischeslust

Er ist ein Suchender. Triebgesteuert spürt er es auf. Wenn er fündig wird, läuft er zur Hochform auf. Er ist ein Mann der Fleischeslust. Er braucht es immer und immer wieder.




Der Teller ist reich gedeckt, das Wasser läuft ihm im Munde zusammen. Sein Organismus gerät in Wallung. Stück für Stück liebkost er das Fleisch, umschmiegt es mit seiner Zunge, beißt schließlich hemmungslos zu und vergräbt sich mit purer Lust in die beiden Lappen. "Fleisch macht sexy", denkt er und lässt seiner wild gewordenen Ekstase freien Lauf. Mmhh. Lecker. So ein richtiges Festmahl verzückt, ihr lieben Vegis...

Dienstag, 21. Juli 2009

Meistern mit Klasse


Kunstexperten, Camping-Virtuosen, Berg-Hechler und die, die die Sintflut fürchteten:

Ein wenig relaxen, dazu ein paar Portionen donnernden Nervenkitzel angereichert mit sintflutartigen Regenfällen sowie Berg-Ankünfte mit Steigungen von bis zu 14 Prozent, die den Motor qualmend so richtig in Fahrt bringen, können schon aufregend sein. Nix mit Langeweile. Das ist Urlaub in Reinkultur.

Nachdem uns in Italien an einem Dienstag gegen 2.30 Uhr ein krasses Gewitter aus dem Schlaf riss, läuteten die Alarmglocken. Unser Schönwetter-Zelt drohte während der orgiastischen Regen-Ergüsse quasi davon zu schwimmen. Die Schuhe schwammen schon durchs Vorzelt, der Regen bahnte sich unaufhaltsam seinen Weg. Ein reißender Bach schoss zudem in unmittelbarer Nähe durch die wenige Minuten zuvor noch zu sehende Straße. Die Blitzeinschläge hatten es zudem in sich. Wow, selten so etwas erlebt...

Die Berg-Tour in Südtirol hatte es ebenfalls in sich. Erst noch schön die Pixies mit "Bird Dreams of Olympus Mons" gehört. Oh, wie passend, posaune ich noch hinaus: Into the mountains. Doch dann merke ich, dass der Wagen sich so langsam aber sicher bei den Steigungen selbst abwrackt. Das Ächzen und Stönen des Motors hat einen amtlichen Qualmprozess In Gang gesetzt. Apropos. Schuld dran war, dass der acht Kilometer lange Schwerstanstieg permament im zweiten Gang gemeistert werden musste. Der Qualmexzess am Pass war schon beeindruckend, zumindest im Nachhinein... Der nächste Urlaub kommt bestimmt!